Donnerstag, 30. Juni 2005
teurer Spass
Puhh, teuer - so eine Arbeit. Drucken konnte ich zwar umsonst im Institut, aber Papier, Bindung aller fünf Exemplare, bedruckbare CD-Rohlinge, kleine Papiertäschchen für selbige zum Einkleben, ein Mittagessen auf die Schnelle, ein paar Liter tanken, um auch wieder nach Hause zu kommen und zwei Cocktails heute im Biergarten zur Nervenmassage - und schon bin ich annähernd um 60 Euro ärmer :-(

Dafür macht es Freude, mal wieder abends hier zu sitzen, eine schöne CD einzulegen und einfach und ohne Hintergedanken die Musik zu genießen. Easy Listening. Die Karten- und Diagrammtapete ist von den Wänden verschwunden, ich bin gar verwundert, welche geschmackvollen Bilder darunter zum Vorschein kommen, der massige Stapel an Büchern wurde wieder der Bibliothek übergeben (keine Versäumnisgebühren, ich bin stolz auf mich!), was noch fehlt sind geputzte Fenster und ein gesaugter Boden - Dinge, die in letzter Zeit etwas vernachlässigt worden sind. Ich bin zwar hundemüde, fühle mich aber wohl in meiner Haut (was auch an den zwei Cocktails liegen mag).

Das absolute Glück ist nicht vorhanden, wie auch? Es ist ein Rindvieh, nein, aber es fühlt sich gut an. Zum Glück gehören viele Dinge. Nein, ganz wenige Dinge - aber wichtige. In der vergangenen Zeit hatte ich eine Beziehung zu dieser Arbeit, war nie alleine, sozusagen kein Single mehr. Morgen wird sie mich verlassen und ich werde mich einsam fühlen. Ich merke, wie der Dämon mir im Nacken sitzt, bereit zum Angriff. Ich werde es nicht zulassen und kämpfen. Nein, es kann nicht angehen, dass mich sowas nach dieser Zeit noch mitnimmt, ich habe besseres zu tun. Trotzdem sitzt er da, den Bogen gespannt und bereit, in einem ungeahnten Moment den Pfeil in meinen Kopf zu bohren.

Ach was, der Quälgeist soll Ruhe geben. Es gibt viele tolle Dinge zu tun in den nächsten Wochen. Ich fühle mich wohl in meiner Haut. Die Zukunft und Vergangenheit sollen erstmal ausgeschaltet sein, das Jetzt zählt und nichts anderes.


/np: Eva Cassidy - The Letter


/edit:

Minuten später, ich merke, wie Druck von mir abfällt. Gefühle komme zurück, viele Gefühle. Tränen laufen über mein Gesicht, viele Tränen. Viele, wie lange nicht mehr. Ich fühle mich hilflos, ich bin hilflos. Niemand kann diese Tränen sehen, sie wegwischen und nichtig machen. Sie sind einfach da, ich muss damit leben.

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Mittwoch, 29. Juni 2005
Der Drucker läuft
Knappe 9 Monate dauerte das ganze Projekt insgesamt - mit vielen Pausen, Höhen und Tiefen, persönlicher Verzweiflung und Euphorie, unglaublicher Verliebtheit, einem gebrochenen Herzen (meinem), einer unverschämten Portion Faulheit gepaart mit panikartigen Anfällen von Arbeitswut.

8 Wochen Schreibarbeit, davon 4 intensiv, 500 Seiten Papier, ein Satz Druckerpatronen, 486 MB Daten, 4000 Seiten Literatur von der nur ein Bruchteil gelesen und ein noch geringerer Anteil verstanden worden ist, 20 Pfund Kaffee, 5 Kilo Schokolade, 3 Kästen Öttinger Pilsener, eine manifestierte Nikotinabhängigkeit, 15 erlebte Sonnenaufgänge beim Schlafen gehen, 500 g Nervenmasse weniger, dafür 4 Kilo Fettmasse zusätzlich am Körper, 2654 Kompiliervorgänge in LaTeX und die Hilfe einer sehr lieben Person in der letzten Nacht vor dem Druck.

Jetzt gibts kein zurück - ich muss meine geistigen Ergüsse abliefern, mit dem Ergebnis bin ich zwar nich ganz zufrieden, aber es wird langen.

Und das war erst die Diplomarbeit. Die wirklich wichtigen Dinge warten noch dort - in der nebelverhangenen Zukunft. Aber das hat Zeit, jetzt wird vier Wochen erstmal nix gemacht.

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Dienstag, 28. Juni 2005
*flaschbieraufmach*
Letzter Satz des lezten Kapitels mit einem Punkt beendet. Jetzt schreib ich noch nen schickes Abstract, morgen kommt der Korrekturmarathon, am Mittwoch drucken und binden, am Donnerstag die Frau Prüfungsamt beglücken.

Irgendwo muss aber noch ein Haken sein - in der letzten Phase lief es einfach zu gut und auch ohne große Freizeiteinbußen. Nun - time will tell.

Prost!

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Dienstag, 28. Juni 2005
Ich fasse es nicht
Dr. Jordan Cavanaugh geht am helligten Tage mit einem fremden Mann ins Bett! Sowas!

(ich bin ein kleines wenig eifersüchtig!)

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Samstag, 25. Juni 2005
Assembly
So fügt sich alles zusammen - gerade noch lachendes Auge dieses geschrieben, kam ich dazu auf den Remix eines Theatre Of Tragedy - Songs, muss ich umgehend an dieses hier denken und hab sofort die zwei Alben direkt vor Augen.

Es war der Frühling 2002, ich war grad um einiges mit meinen Vordiplomsprüfungen beschäftigt, als ich sie kennen- und kurzzeitig lieben lernte.
Irgendwann in diesen paar glücklichen Monaten befanden wir uns in der CD-Abteilung irgendeines Ladens, die Musik war im Endeffekt das einzige, was uns verband.
Wir hielten die beiden Alben von Theatre Of Trgedy in den Händen, die beiden "anderen" Alben, die beiden "elektronischen" - "Musique" und "Assembly".

Wir kauften jeder eine (ich "Assembly", sie "Musique") und brannten uns die jeweils andere, schenkten diese uns gegenseitig und waren glücklich. Jeden Tag auf dem Weg durch die Sonne zur Uni lief "Superdrive" und "Flickerlight" lautstark im Auto, ich hatte den Eindruck, dass ich nicht glücklicher werden könnte und fing an, diese beiden Alben zu lieben.

Ein paar Wochen später war das Glück zwischen uns gegessen - diese beiden Alben jedoch blieben Teil der Geschichte, die Momente, an denen "Superdrive" laut im Auto läuft, sind zwar seltener, trotzdem bleib immer noch die Erinnerung an diesen Frühling, den glücklichen Frühling.

Schande über mein CD sammelndes Haupt, obwohl "Musique" ein wichtiges Stück Rock- und Popgeschichte des beginnenden neuen Jahrtausends darstellt (deshalb würden mich viele ToT-Fans steinigen), besitze ich dieses Album immer nur noch als dieses eine gebrannte Exemplar.
Also, wer sich so frei fühlt: hier lang ;-)

/np:
Theatre Of Tragedy - Flickerlight
Theatre Of Tragedy - Superdrive
Theatre Of Tragedy - Universal Race
Theatre Of Tragedy - Automatic Lover

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Referrerkacke
Gerade mich noch hierüber ganz doll amüsiert, bekommt hier der Ausdruck "Referrerkacke" eine ganz neue Bedeutung. Ich weiß nicht, was ich sagen soll..

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